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Rahime Hatun (oder Chatun), bekannter unter dem Beinamen Tayyar Rahmiye, war
eine der bekanntesten weiblichen Kämpferinnen der türkischen
Nationalbewegung an der Südfront des Unabhängigkeitskrieges.
Sie wurde 1890 im Raum Osmaniye, im Gebiet von Kaypak,
Raziyeler, das heute zum zentralen Landkreis Osmaniye gehört,
geboren. Als Eltern werden Köse Abdullah und Hatice Hatun
genannt. Die lokale biographische Überlieferung nennt mehrere
Geschwister: Eşe, Elif, Meryem, Ayşe und einen Bruder
Abdullah. Ob Rahmiye eine Schule besuchte oder lesen und
schreiben konnte, ist nicht bekannt.
Ihr eigentlicher Name wird in den Quellen meist als Rahmiye
angegeben; „Rahime Hatun“ ist eine verbreitete Namensform. Der
Beiname Tayyar bedeutet ungefähr „fliegend“, „schnell“ oder
„rasch“. Dieser Beiname soll ihr wegen ihres außergewöhnlich
schnellen und mutigen Handelns im Kampf gegeben worden sein.
Über ihr Privatleben berichtet die lokale
Osmaniye-Überlieferung, dass sie zunächst Demiroğlu İbrahim
heiratete. Aus dieser Ehe sollen zwei Kinder hervorgegangen
sein, die jedoch früh starben. Nach der Trennung soll sie
später Vız Ali, den Sohn eines als Süslü Onbaşı bezeichneten
Mannes aus der Familie Çalıkoğulları, geheiratet haben. Auch
aus dieser Ehe werden zwei Söhne erwähnt, von denen keiner sie
dauerhaft überlebte.
Der historische Hintergrund ihres militärischen Engagements
war die französische Besetzung von Teilen Kilikiens und
Südostanatoliens nach dem Ersten Weltkrieg. Im Raum Osmaniye,
damals Teil von Cebel-i Bereket, entstanden lokale
Kuvayı-Milliye-Verbände, die gegen französische Truppen und
mit ihnen verbundene bewaffnete Gruppen kämpften. In diesem
Umfeld schloss sich Rahmiye einem lokalen Widerstandsverband
an.
Nach der überlieferten Darstellung wollte der lokale
Milizenführer Hayta Hüseyin sie zunächst eher für Aufgaben
hinter der Front einsetzen. Rahmiye soll darauf bestanden
haben, unmittelbar an den Kämpfen teilzunehmen. In der lokalen
Erinnerung wird ihr sinngemäß der Satz zugeschrieben, sie
wolle nicht hinter der Front bleiben, sondern gemeinsam mit
den Männern kämpfen. Sie wurde schließlich als Onbaşı, also
ungefähr im Rang eines Korporals, in einen
Kuvayı-Milliye-Verband aufgenommen.
Zu ihren frühen Kampfeinsätzen gehört nach mehreren Quellen
ein Gefecht im Februar 1920 bei Hasanbeyli am sogenannten 9.
Tunnel. In der späteren Darstellung des Offiziers Mehmet Arif
wird berichtet, dass sie an diesem Angriff teilnahm. Bei dem
Gefecht sollen Waffen von den französischen Truppen erbeutet
worden sein. Besonders bekannt wurde die Episode, wonach
Rahmiye unter Beschuss gefallene Kameraden aus dem
Gefahrenbereich holte. Diese Tat wird als Ursprung ihres
Beinamens „Tayyar“ erklärt.
Andere Darstellungen schreiben ihr zusätzlich Aufklärungs-
und Sabotageaufgaben zu. Eine häufig wiederholte Erzählung
besagt, dass sie an der Zerstörung eines Eisenbahntunnels bei
Osmaniye beteiligt gewesen sei und dadurch den französischen
Nachschub beeinträchtigt habe. Diese Episode erscheint in
späteren biographischen Darstellungen, ist aber weniger gut
durch unmittelbare zeitgenössische Dokumente abgesichert als
ihre Teilnahme an den Kämpfen.
Zeitzeugenbeschreibungen, die in der
Osmaniye-Lokalgeschichte überliefert wurden, zeichnen sie als
mittelgroße, dunkelhaarige Frau, die häufig Şalvar, Jacke oder
Maraş abası, Patronengurte und ein Gewehr trug. Sie soll
sowohl zu Fuß als auch zu Pferd unterwegs gewesen sein.
Besonders berühmt wurde eine Episode aus den letzten
Kämpfen um Osmaniye. Als einige Männer unter starkem Feuer
zögerten, soll Rahmiye sie mit einer provokanten Aufforderung
zum Vorrücken bewegt haben. Der Wortlaut variiert in den
Quellen, sinngemäß heißt es, dass sie als Frau aufrecht stehe,
während die Männer am Boden liegen würden. Diese Episode wurde
später zu einem zentralen Bestandteil ihres Heldenbildes.
Rahmiye fiel am 5. August 1920 bei Kämpfen im Bereich von
Alibeyli in Osmaniye. Nach der lokalen Darstellung rückte sie
bei einem Angriff auf die französischen Stellungen sehr weit
vor und wurde von Maschinengewehrfeuer getroffen. Ihr Leichnam
soll anschließend von einem Mitkämpfer hinter die eigenen
Linien gebracht worden sein. Sie war damit ungefähr 30 Jahre
alt.
Nach ihrem Tod entwickelte sich Rahmiye zu einer wichtigen
regionalen Erinnerungsfigur. In Osmaniye wurden unter anderem
Straßen, Schulen, ein Stadtviertel und öffentliche
Einrichtungen sowie ein Platz nach ihr benannt. Außerdem
existiert dort ein Denkmal mit Statue zu ihrem Andenken.
Die Osmaniye Ansiklopedisi weist ausdrücklich darauf hin,
dass die Identität der abgebildeten Frau nicht sicher ist.
Nach späteren Zeugenaussagen soll Rahmiyes Schwester sogar
erklärt haben, dass das verbreitete Bild nicht Rahmiye zeige.
Auch die genaue Herkunft des Fotos ist unbekannt.