Rahime Hatun
Rahime Hatun

Aussprache: rahiyma chaatuun
arabisch:
رحيمة خاتون
persisch:
رحیمه خاتون
englisch:
Rahime Khatun

ca. 1890 - 5.8.1920 n.Chr.

Foto: 1920 n.Chr.

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Rahime Hatun (oder Chatun), bekannter unter dem Beinamen Tayyar Rahmiye, war eine der bekanntesten weiblichen Kämpferinnen der türkischen Nationalbewegung an der Südfront des Unabhängigkeitskrieges.

Sie wurde 1890 im Raum Osmaniye, im Gebiet von Kaypak, Raziyeler, das heute zum zentralen Landkreis Osmaniye gehört,  geboren. Als Eltern werden Köse Abdullah und Hatice Hatun genannt. Die lokale biographische Überlieferung nennt mehrere Geschwister: Eşe, Elif, Meryem, Ayşe und einen Bruder Abdullah. Ob Rahmiye eine Schule besuchte oder lesen und schreiben konnte, ist nicht bekannt.

Ihr eigentlicher Name wird in den Quellen meist als Rahmiye angegeben; „Rahime Hatun“ ist eine verbreitete Namensform. Der Beiname Tayyar bedeutet ungefähr „fliegend“, „schnell“ oder „rasch“. Dieser Beiname soll ihr wegen ihres außergewöhnlich schnellen und mutigen Handelns im Kampf gegeben worden sein.

Über ihr Privatleben berichtet die lokale Osmaniye-Überlieferung, dass sie zunächst Demiroğlu İbrahim heiratete. Aus dieser Ehe sollen zwei Kinder hervorgegangen sein, die jedoch früh starben. Nach der Trennung soll sie später Vız Ali, den Sohn eines als Süslü Onbaşı bezeichneten Mannes aus der Familie Çalıkoğulları, geheiratet haben. Auch aus dieser Ehe werden zwei Söhne erwähnt, von denen keiner sie dauerhaft überlebte.

Der historische Hintergrund ihres militärischen Engagements war die französische Besetzung von Teilen Kilikiens und Südostanatoliens nach dem Ersten Weltkrieg. Im Raum Osmaniye, damals Teil von Cebel-i Bereket, entstanden lokale Kuvayı-Milliye-Verbände, die gegen französische Truppen und mit ihnen verbundene bewaffnete Gruppen kämpften. In diesem Umfeld schloss sich Rahmiye einem lokalen Widerstandsverband an.

Nach der überlieferten Darstellung wollte der lokale Milizenführer Hayta Hüseyin sie zunächst eher für Aufgaben hinter der Front einsetzen. Rahmiye soll darauf bestanden haben, unmittelbar an den Kämpfen teilzunehmen. In der lokalen Erinnerung wird ihr sinngemäß der Satz zugeschrieben, sie wolle nicht hinter der Front bleiben, sondern gemeinsam mit den Männern kämpfen. Sie wurde schließlich als Onbaşı, also ungefähr im Rang eines Korporals, in einen Kuvayı-Milliye-Verband aufgenommen.

Zu ihren frühen Kampfeinsätzen gehört nach mehreren Quellen ein Gefecht im Februar 1920 bei Hasanbeyli am sogenannten 9. Tunnel. In der späteren Darstellung des Offiziers Mehmet Arif wird berichtet, dass sie an diesem Angriff teilnahm. Bei dem Gefecht sollen Waffen von den französischen Truppen erbeutet worden sein. Besonders bekannt wurde die Episode, wonach Rahmiye unter Beschuss gefallene Kameraden aus dem Gefahrenbereich holte. Diese Tat wird als Ursprung ihres Beinamens „Tayyar“ erklärt.

Andere Darstellungen schreiben ihr zusätzlich Aufklärungs- und Sabotageaufgaben zu. Eine häufig wiederholte Erzählung besagt, dass sie an der Zerstörung eines Eisenbahntunnels bei Osmaniye beteiligt gewesen sei und dadurch den französischen Nachschub beeinträchtigt habe. Diese Episode erscheint in späteren biographischen Darstellungen, ist aber weniger gut durch unmittelbare zeitgenössische Dokumente abgesichert als ihre Teilnahme an den Kämpfen.

Zeitzeugenbeschreibungen, die in der Osmaniye-Lokalgeschichte überliefert wurden, zeichnen sie als mittelgroße, dunkelhaarige Frau, die häufig Şalvar, Jacke oder Maraş abası, Patronengurte und ein Gewehr trug. Sie soll sowohl zu Fuß als auch zu Pferd unterwegs gewesen sein.

Besonders berühmt wurde eine Episode aus den letzten Kämpfen um Osmaniye. Als einige Männer unter starkem Feuer zögerten, soll Rahmiye sie mit einer provokanten Aufforderung zum Vorrücken bewegt haben. Der Wortlaut variiert in den Quellen, sinngemäß heißt es, dass sie als Frau aufrecht stehe, während die Männer am Boden liegen würden. Diese Episode wurde später zu einem zentralen Bestandteil ihres Heldenbildes.

Rahmiye fiel am 5. August 1920 bei Kämpfen im Bereich von Alibeyli in Osmaniye. Nach der lokalen Darstellung rückte sie bei einem Angriff auf die französischen Stellungen sehr weit vor und wurde von Maschinengewehrfeuer getroffen. Ihr Leichnam soll anschließend von einem Mitkämpfer hinter die eigenen Linien gebracht worden sein. Sie war damit ungefähr 30 Jahre alt.

Nach ihrem Tod entwickelte sich Rahmiye zu einer wichtigen regionalen Erinnerungsfigur. In Osmaniye wurden unter anderem Straßen, Schulen, ein Stadtviertel und öffentliche Einrichtungen sowie ein Platz nach ihr benannt. Außerdem existiert dort ein Denkmal mit Statue zu ihrem Andenken.

Die Osmaniye Ansiklopedisi weist ausdrücklich darauf hin, dass die Identität der abgebildeten Frau nicht sicher ist. Nach späteren Zeugenaussagen soll Rahmiyes Schwester sogar erklärt haben, dass das verbreitete Bild nicht Rahmiye zeige. Auch die genaue Herkunft des Fotos ist unbekannt.

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