Pharao
Pharao [firaun]

Aussprache: fira-un
arabisch:
فرعون
persisch:
فرعون
englisch: Pharao

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Als Pharao werden im Heiligen Quran die Gewaltherrscher Ägyptens bezeichnet, wobei die Bezeichnung zum einen in allgemeiner Form auf alle Pharaonen und im übertragenen Sinn auf alle Gewaltherrscher zutrifft, und zum anderen im Speziellen den Feind Moses (a.) bezeichnet, welcher viele gottesehrfürchtige Menschen als Sklave hielt.

Oft wird Ramses als Name jenes Pharao angegeben, der zur Zeit Moses (a.) gelebt hat. Der Begriff „Pharao“ steht im Heiligen Quran stellvertretend als Symbol zahlreicher unmenschlicher Verhaltensweisen:

  1. Pharao als Symbol des Hochmuts: Der Heilige Quran beschreibt Pharao als jemanden, der sich über andere Menschen erhebt: إِنَّ فِرْعَوْنَ عَلَا فِي الْأَرْضِ „Gewiss, Pharao erhob sich im Land.“ (28:4) Das Wort ʿalā bedeutet hier: Er machte sich groß, erhob sich herrisch, stellte sich über andere. Pharaos Problem ist sowohl politisch als auch spirituell: Er erkennt seine Begrenztheit als Mensch nicht mehr an.
  2. Pharao als Unterdrücker: Der Heilige Quran beschreibt, dass Pharao sein Volk in Gruppen spaltete und einen Teil davon schwächte: وَجَعَلَ أَهْلَهَا شِيَعًا يَسْتَضْعِفُ طَائِفَةً مِّنْهُمْ „Er machte ihre Bewohner zu Parteien und schwächte eine Gruppe von ihnen.“ (28:4). Er tötete ihre Söhne und ließ ihre Frauen am Leben. Damit erscheint Pharao als Herrscher, der Macht durch Spaltung, Angst, Demütigung und Gewalt stabilisiert. Im Heiligen Quran ist Pharao also nicht nur „ein schlechter König“, sondern ein System von „istibdād“, Tyrannei, und „istidhʿāf“, Unterdrückung der Schwachen.
  3. Pharao als Selbstvergötterung: Eine seiner schwersten Aussagen lautet: أَنَا رَبُّكُمُ الْأَعْلَى „Ich bin euer höchster Herr.“ (Heiliger Quran 79:24). Und an anderer Stelle sagt er: مَا عَلِمْتُ لَكُم مِّنْ إِلَـٰهٍ غَيْرِي „Ich kenne für euch keinen Gott außer mir.“ (28:38). Das bedeutet, dass er absolute Herrschaft, absolute Deutungshoheit und absolute Gehorsamsforderung beanspruchte. Er stellte sich praktisch an die Stelle Gottes.
  4. Pharao als Gegner des Propheten Moses (a.): Moses (a.) wird zu Pharao gesandt mit einer doppelten Botschaft: Pharao soll seine Überheblichkeit aufgeben. Er soll die Kinder Israels freilassen. Moses (a.) sagt: فَأَرْسِلْ مَعِيَ بَنِي إِسْرَائِيلَ „So sende mit mir die Kinder Israels.“ (7:105). Die Konfrontation zwischen Moses (a.) und Pharao ist daher nicht nur ein theologischer Streit, sondern auch ein Befreiungskonflikt: Offenbarung [wahy] steht gegen Unterdrückung, Prophetie gegen Tyrannei, Wahrheit gegen Machtarroganz.
  5. Pharao als Meister der Propaganda: Pharao versucht, Moses (a.) nicht sachlich zu widerlegen, sondern ihn politisch zu diskreditieren. Er stellt Moses (a.)  als gefährlichen Umstürzler dar: إِنِّي أَخَافُ أَن يُبَدِّلَ دِينَكُمْ أَوْ أَن يُظْهِرَ فِي الْأَرْضِ الْفَسَادَ „Ich fürchte, dass er eure Religion verändert oder im Land Verderben hervorbringt.“ (40:26). Das ist typisch für pharaonische Herrschaft: Der Unterdrücker nennt den Befreier „Verderber“. Der Tyrann stellt seine eigene Machtordnung als „Religion“, „Ordnung“ oder „Stabilität“ dar und erklärt jede Wahrheit zur Gefahr.
  6. Pharao als Verächter der Unterdrückten: Pharao verachtet Moses (a.) sowohl sozial als auch materiell: أَمْ أَنَا خَيْرٌ مِّنْ هَـٰذَا الَّذِي هُوَ مَهِينٌ وَلَا يَكَادُ يُبِينُ „Bin ich nicht besser als dieser, der verächtlich ist und sich kaum deutlich ausdrücken kann?“ (Heiliger Quran 43:52). Er misst Wahrheit an äußerer Macht, Reichtum, Rang und rhetorischer Wirkung. Pharao erkennt Wahrheit nicht, weil er nach Status urteilt.
  7. Pharao und seine Elite: Der Heilige Quran spricht nicht nur von Pharao allein, sondern auch von seinen Malāʾ, seiner führenden Elite. Dazu gehören Berater, Höflinge, Machtträger und Unterstützer seines Systems. So heißt es mahrfach: فِرْعَوْنَ وَمَلَئِهِ „Pharao und seine führende Schar.“ Das zeigt: Tyrannei ist im Heilige Quran nicht nur die Sünde eines Einzelnen. Sie wird durch ein ganzes Umfeld getragen: Beamte, Ideologen, Nutznießer, Feiglinge und Mitläufer.
  8. Pharao als einer, der Zeichen sieht und trotzdem leugnet: Moses (a.) bringt klare Zeichen. Dennoch weist Pharao sie zurück. Der Heilige Quran beschreibt diese Haltung so: وَجَحَدُوا بِهَا وَاسْتَيْقَنَتْهَا أَنفُسُهُمْ ظُلْمًا وَعُلُوًّا „Sie verleugneten sie, obwohl ihre Seelen davon überzeugt waren, aus Ungerechtigkeit und Hochmut.“ (27:14) Das ist zentral: Pharaos Problem ist nicht Mangel an Beweisen. Sein Problem ist Unrecht und Überheblichkeit.
  9. Pharaos Scheinglaube im Augenblick des Untergangs: Als Pharao im Meer untergeht, bekennt er plötzlich: آمَنتُ أَنَّهُ لَا إِلَـٰهَ إِلَّا الَّذِي آمَنَتْ بِهِ بَنُو إِسْرَائِيلَ „Ich glaube, dass es keinen Gott gibt außer dem, an den die Kinder Israels glauben.“ (Heiliger Quran 10:90) Doch dieses Bekenntnis kommt zu spät. Ihm wird geantwortet: آلْآنَ وَقَدْ عَصَيْتَ قَبْلُ „Jetzt? Wo du doch zuvor ungehorsam warst?“ (10:91) Der Heilige Quran lehrt damit: Reue im Augenblick, in dem die Strafe unausweichlich sichtbar geworden ist, ist keine echte Umkehr mehr.
  10. Pharao als warnendes Zeichen für spätere Generationen: Der Heilige Quran sagt über Pharao: فَالْيَوْمَ نُنَجِّيكَ بِبَدَنِكَ لِتَكُونَ لِمَنْ خَلْفَكَ آيَةً „Heute retten Wir deinen Leib, damit du für diejenigen nach dir ein Zeichen seist.“ (10:92) Pharao wird besiegt und zu einem Zeichen. Seine Geschichte soll spätere Generationen warnen: Macht ohne Demut, Herrschaft ohne Gerechtigkeit und Wissen ohne Unterwerfung unter Allah führen zum Untergang.

Zu weiteren Stationen pharaonischen Wirkens im Heiligen Quran gehört unter anderem: Pharao „erschlug die Söhne“ seiner Sklaven (vgl. Heiliger Qur'an 2:49). Zu ihrer Befreiung wurde Moses (a.) gesandt, der durch ein Wunder im Haus des Pharao durch die gesegnete Asia (a.) groß wurde (vgl. 28:9).

Sehr bekannt ist die Begegnung Moses (a.) mit Pharao, bei der sich Moses' (a.) Stab in eine Schlange verwandelt. Als die Zauberer ebenfalls Stäbe zu Schlangen verwandeln, frisst Moses' (a.) Schlange die anderen auf, so dass die Zauberer das Wunder erkennen und sich ergeben (vgl. 7:104 ff. oder 10:75:ff). Pharao selbst wird als unvernünftig (11:97), Frevler (8:54), dem Unheil verfallen (17:102) und als jemand, der das Maß überschritten hat (20:43) bezeichnet. Pharao will Moses (a.) töten (40:26), scheitert aber.  Moses (a.) errettet die Unterdrückten [mazlum] vor Pharao, und Pharaos Leute wurde im Wasser ertränkt (vgl. 2:50 und 20:78).

So behandelt der Heilige Quran einen Pharao als wiederkehrender Typus des Tyrannen und des hochmütigen Unterdrückers.

Nach manchen Interpretationen symbolisiert einer der Felsen in Mina die unrechtmäßige Herrschaft des Pharao und das Bewerfen der Felsen gehört zu den Riten der Pilgerfahrt [hadsch].


Altägyptische Malerei auf Papyros (Foto Y. Özoguz 2013)

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