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Die Kasusvariation (auch Perspektivwechsel genannt) ist eines der grammatikalischen und in der
Folge inhaltlichen
Stilelemente des Heiligen Quran, bei dem ein
Vers
je nach Betrachtung unterschiedliche Bedeutungen annehmen
kann.
Ein Beispiel für dieses Stilelement zeigt der
Verheiße-Vers
(2:155) in dem es sinngemäß heißt:
"Und gewiss werden wir euch prüfen mit etwas an
Angst, Hunger, Besitz, Seelen und
den Früchten. Und verheiße den Standhaften."
Gemäß mancher
Quran-Kommentatoren handelt es sich bei den Standhaften
um die
Ahl-ul-Bait (a.). Dies wird dadurch deutlich, wenn das
Stilelement der Kasusvariation angewandt wird. In der Folge
heißt der Endteil des Verses: "...Und verheiße die
Standhaften." Dann sind die
Menschen, die die im
Vers
genannten Prüfungen bestehen, diejenigen, denen die
Ahl-ul-Bait (a.) verheißen werden.
Eine sehr
deutliche Kasusvariation ist in
Vers
58:21 im
Heiligen Quran zu finden. Darin heißt es im übertragenen
Sinn:
„Vorgeschrieben hat Allah, dass ich siegen werde, ich und
meine Gesandten. Wahrlich, Allah ist Kräftiger, Gewaltiger.“
Hier „springt“
ALLAH zwischen der Erzähler-Perspektive und der
„Ich-Perspektive“ hin und her, um die Heftigkeit der Aussage
zu verdeutlichen und dass der Sieg einzig und allein von Ihm
kommen kann zu betonen. Und bezüglich
ALLAH kann niemand etwas vorschreiben außer Sein eigenes
erhabenes Ich.
Ein weiteres Beispiel für Kasusvariation ist in
Vers
4:162 zu finden. Dort stehen mehrere Gruppenbezeichnungen im
Nominativ, wie „die Festgegründeten“ [الرَّاسِخُونَ] und „die
Überzeugten“ [الْمُؤْمِنُونَ]. Dazwischen erscheint jedoch die
Form „Beständigen des Gebets“ [وَالْمُقِيمِينَ الصَّلَاةَ] im
Akkusativ. Diese Abweichung wird von Grammatikern als „Akkusativ
aufgrund des Lobes“ (Naßb ʿala al-Madh) [النَّصْبُ عَلَى
الْمَدْحِ], also der Hervorhebung, erklärt. Sinngemäß bedeutet
dies: „Und besonders gelobt seien diejenigen, die das Gebet
aufrechterhalten.“ Dadurch wird die Bedeutung des Gebets
unter den Eigenschaften der Gläubigen besonders hervorgehoben.
Jene Hervorhebung ist aber auch ein Hinweis auf die
Ahl-ul-Bait (a.). Denn eine theoretische semantisch
denkbare Möglichkeit ist, „Beständigen des Gebets“
[وَالْمُقِيمِينَ الصَّلَاةَ] an ein früheres Objekt
anzuschließen, etwa an „sie glauben/sie sind überzeugt von
... und“ Dann ergäbe sich: „Sie glauben an das, was zu
dir herabgesandt wurde … und an die das Gebet Verrichtenden.“